Schau mal, wer da fliegt

Das Vogelhaus




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Diane Jordan

Die häufigsten Vogelarten sind mir geläufig. Von der dicken, schwarzen Amsel bis zum zarten Zaunkönig kommen alle in meinen Garten und auch an das jetzt prall gefüllte Futterhaus, denn es ist Winter und draußen klirrend kalt. Meine gefiederten Freunde bereiten mir viel Freude, sei es durch ihren Gesang oder auch als willkommenes Fotoobjekt für mich. Mein Fernglas liegt immer parat, wie auch meine Bestimmungshilfe, falls ich mal nicht weiss, welcher Vogel mich gerade besucht.  Mein neuester Roman „Das Vogelhaus“ von der niederländischen Autorin Eva Meijer hat mich daher sofort in den Bann gezogen. Allein das wirklich herzige Cover, mit dem hübschen rotbraunem Rotkehlchen und der angedeuteten grünen Kordel an der Seite, ist großartig gestaltet. Es mutet schlicht und gleichzeitig edel an, wie ich finde.

Ich schlage das Buch auf und fange gebannt an zu lesen. Es ist, als ob ich in eine andere Welt abdrifte. Ich lerne Len Howard kennen, die von 1894 bis 1973 in England lebte und die fast ihr ganzes Dasein den Vögeln ihrer Umgebung widmete.

Die Autorin beschreibt anhand von recherchierten Fakten, aber auch einigen fiktiven Elementen, das Leben der kauzigen Naturkundlerin. Ich mag die Protagonistin und finde Gefallen an ihr, denn ich bin selber in einem Forsthaus aufgewachsen und daher sehr naturverbunden.

Eva Meijer beschreibt als erstes die Kindheit der Forscherin. Geht darauf ein, dass Howard die gleiche Leidenschaft wie ihr Vater teilt, nämlich das Beobachten der heimischen Vögel. Das kann ich nachvollziehen, denn auch ich erinnere mich gerne, an vogelkundliche Wanderungen, mit meiner Familie. Und genau wie Len Howard habe ich auch heute noch große Freude daran, alles was kreucht und fliegt zu beobachten und zu fotografieren.  Nach einigen Umwegen, über die Musikausbildung, erkennt sie aber ihre wirkliche Passion! Sie widmet ihr Leben der Beobachtung und Erforschung der heimischen Vogelwelt, indem sie ihr Stadtleben gegen ein Landleben tauscht. Das Buch liest sich gut. Der Sprach– und Schreibstil ist der Thematik angepasst, wie ich finde. Still und leise, betrachte ich meinen Roman. Denke nach… Gucke selbst sehnsuchtsvoll in den Garten, ob ich irgendwo ein Vögelchen entdecke. Aber heute ist es ruhig an meinem Futterhaus und daher lese ich nun fröhlich weiter und erfreue mich an den Schilderungen über die Kohlmeise Sternchen, die Len Howard besonders liebevoll beschrieben hat. Ein tolles Buch für jeden Vogelfreund und nicht nur für mich, wie ich finde! Mir hat es jedenfalls ausgesprochen gut gefallen und ich bin fast traurig, als ich es beendet habe.

Inhalt:

Len Howard (1894-1973) verbrachte die zweite Hälfte ihres Lebens in einem kleinen, abgelegenen Haus in Südengland. Sie veröffentlichte äußerst erfolgreiche Bücher über die Vögel, die sie in ihrer Umgebung beobachtete, galt als Pionierin auf dem Gebiet der Tierforschung. Die Grundlage ihrer Studien war das Vertrauen, das sie zu den scheuen Tieren aufbaute, sie erforschte ihren Gesang, ihren Charakter, ihre Eigenarten und Gewohnheiten in der Natur. Und tatsächlich wurde ihr Cottage ein echtes „Vogelhaus“, in dem die Meisen und Drosseln ein- und ausflogen – wenn es Len Howard denn gelang, unerwünschte Besucher fernzuhalten.

Warum hat jemand lieber Vögel um sich als Menschen? Was können wir aus den Geschichten der Vögel lernen? Wie trifft man im Leben wichtige Entscheidungen? Die faszinierende Lebensgeschichte der zu Unrecht vergessenen Vogelkundlerin inspirierten Eva Meijer zu einem besonderen Roman über Mensch und Natur, der uns dazu zwingt, herkömmliche Vorstellungen in Frage zu stellen.

Die Autorin:

Eva Meijer, geboren 1980 in Hoorn, Niederlande, ist Philosophin, Schriftstellerin, Singer-Songwriter und bildende Künstlerin. Sie hat Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und essayistische Bücher veröffentlicht und wurde zu einem Thema über die Sprachen der Tiere promoviert. Ihr Roman »Das Vogelhaus« gewann den Leserpreis des BNG-Literaturpreises und wurde für den Libris- und den ECI-Literaturpreis nominiert. Eva Meijer lehrt an der Universität von Amsterdam und an der Dutch Research School of Philosophy (OZSW).

Fazit: 5 Sterne***** Das gebundene Buch hat 320 Seiten und ist im btb Verlag erschienen.

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Farbspuren – Was übrig bleibt …

Charlotte

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Rezension Diane Jordan

Kunst, Musik und Literatur begeistern mich ;-). Ich liebe historische Erzählungen und Biographien. Der Roman der jungen Malerin “Charlotte“ von David Foenkinos hat mich schnell sehr stark berührt und in den Bann gezogen. Er regt sehr zum Nachdenken an und berührt mich. Mein Tipp: Taschentücher bereitlegen! Und ich stelle mir viele Fragen??? Welche Spuren hinterlassen wir? Was bleibt übrig, wenn wir diesen schönen Erdball verlassen? Was wäre aus Charlotte geworden, wenn sie nicht so tragisch ermordet worden wäre? Was???

Pinsel, Farbe, Bilder, Koffer – das ganze kurze Leben zusammengepresst, in der Hoffnung Spuren zu hinterlassen! Die Hintergründe, das Schöne, aber auch das Grauen werden vom französischen Autoren David Foenkinos so geschildert, als wäre er selbst dabei gewesen beziehungsweise wäre Charlotte sogar persönlich begegnet. Selten hat mich ein Buch so traurig gemacht. Und ich möchte mir gerne ihren Stolperstein in Berlin-Charlottenburg, in der Wielandstrasse 15 ansehen und in Gedenken innehalten.

Aber lest selbst….

Aus dem Inhalt:

»Das ist mein ganzes Leben« – mit diesen Worten übergibt Charlotte einem Vertrauten 1942 einen Koffer voller Bilder. Sie erzählen ihre viel zu kurze Geschichte: von der Kindheit im Berlin der 20 Jahre, dem frühen Tod der Mutter, dem Zugang zu Berlins Künstlerkreisen durch die neue Frau des Vaters, dem Studium an der Kunstakademie, dem Leben als Malerin. Und dann: Flucht vor den Nationalsozialisten nach Südfrankreich, Leben im Exil, aber auch Liebe und Hochzeit. Nur ihre Bilder überleben – und damit ihre Geschichte, die David Foenkinos anrührend erzählt. Charlotte ist das Porträt eines verheißungsvollen Lebens, das viel zu früh beendet wurde.

Über den Autoren und andere Mitwirkende:

David Foenkinos, 1974 geboren, lebt als Schriftsteller und Drehbuchautor in Paris. Seit 2002 veröffentlicht er Romane, darunter den Millionenbestseller „Nathalie küsst“. Seine Bücher werden in rund vierzig Sprachen übersetzt. „Charlotte“, wurde 2014 mit dem Prix Renaudot und dem Prix Goncourt des lycéens ausgezeichnet und hat sich allein in Frankreich rund eine halbe Million Mal verkauft.

Christian Kolb wurde 1970 geboren und studierte französische Literatur und Filmwissenschaft in Berlin und Paris. Neben den Romanen von David Foenkinos übersetzte er u. a. auch Nicolas Fargues „Die Rolle meines Lebens“. Er lebt in Berlin.

 Fazit: ***** Sterne gegen das Vergessen und für die Menschlichkeit und das Mitgefühl!

Der Spiegel-Bestseller „Charlotte“ ist im Penguin Verlag erschienen. Das Buch hat 240 Seiten und kostet 10,00 Euro.